Miller Leadership Logo – Führungskräftetraining, Coaching und Seminare in München
20+ Jahre Führungserfahrung
In München vor Ort & online
ERSTGESPRÄCH VEREINBAREN
+49 89 8007 1913
Gabi Miller, Führungskräftetrainerin und Seminarleiterin in München
Termin Buchen
0.00 0

Warenkorb

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Führungsstile: Welcher passt wann? Situative Führung nach Hersey und Blanchard erklärt

Von Gabi Miller veröffentlicht am 17.04.2026

Welcher Führungsstil ist der richtige? Keiner. Und alle.

Es gibt eine Frage, die mir in fast jedem Führungsseminar gestellt wird — früher oder später, meistens nach der ersten Kaffeepause:

„Welchen Führungsstil soll ich denn jetzt anwenden?“

Ich verstehe die Frage. Wer sich mit Führung beschäftigt, stolpert schnell über eine lange Liste: autoritär, demokratisch, kooperativ, transformational, Laissez-faire. Jeder Stil hat seine Tabelle mit Vor- und Nachteilen. Jeder klingt irgendwie richtig. Und irgendwie auch nicht.

Meine Antwort lautet meistens: Alle davon. Je nachdem.

Denn gute Führung ist kein Stil. Sie ist eine Fähigkeit zur Einschätzung.

Das Problem mit der Stil-Frage

Wer nach dem „richtigen“ Führungsstil sucht, denkt Führung wie eine Persönlichkeitseigenschaft. Entweder bin ich demokratisch — oder ich bin es nicht. Entweder führe ich kooperativ — oder eben nicht.

Das ist ein Irrtum.

Führungsstil ist kein Charakter. Er ist eine Reaktion auf eine Situation. Und die Situation ändert sich ständig — je nach Person, Aufgabe, Erfahrungsstand und Druck.

Genau das ist der Kern des Modells, das Paul Hersey und Ken Blanchard in den 1970ern entwickelt haben — und das bis heute eines der praxisnächsten Führungsmodelle geblieben ist: Situative Führung.

Führungsstile in der Praxis: Was situative Führung bedeutet

Die Grundidee ist einfach, aber konsequent:

Es gibt keinen universell richtigen Führungsstil. Der wirksame Stil hängt davon ab, wie reif eine Person für eine bestimmte Aufgabe ist.

Blanchard nennt das den Reifegrad — und meint damit zwei Dinge gleichzeitig:

  • Kompetenz: Kann die Person die Aufgabe erledigen? Hat sie das Wissen, die Erfahrung, die Fähigkeit?
  • Commitment: Will sie es? Ist sie motiviert, engagiert, bereit Verantwortung zu übernehmen?

Daraus ergeben sich vier Reifegrade — und vier entsprechende Führungsstile.

Die vier Reifegrade in der Praxis

Ich erkläre das gerne an einem Beispiel aus dem Seminaralltag.

Stell dir vor, du hast eine neue Mitarbeiterin — nennen wir sie Lena. Sie ist 29, frisch aus einem anderen Unternehmen, hochmotiviert, will sich beweisen. Du gibst ihr ein erstes größeres Projekt: die Koordination eines internen Workshops für 40 Führungskräfte.

Reifegrad 1 — Lena in Woche 1:
Lena ist motiviert, aber unerfahren in dieser Aufgabe. Sie weiß nicht wie Workshops bei euch intern laufen, kennt die Stakeholder nicht, hat noch nie ein Format in dieser Größe koordiniert.

Was braucht sie jetzt? Klare Anweisung. Nicht weil sie inkompetent ist — sondern weil sie noch keine Orientierung hat. Hier ist direktives Führen richtig: Du erklärst was, wie und bis wann. Du gibst Struktur. Das ist kein Misstrauen. Das ist Führung.

Reifegrad 2 — Lena nach vier Wochen:
Sie kennt die Abläufe jetzt besser, macht erste eigene Schritte — aber stockt immer wieder. Sie fragt viel, ist manchmal unsicher, zweifelt ob sie das richtig macht. Die Motivation ist da, aber das Vertrauen in sich selbst noch nicht.

Was braucht sie jetzt? Anleitung und Rückhalt. Du führst noch direktiv, aber erklärst mehr Hintergründe, holst sie ein, gibst Feedback — nicht nur was, sondern auch warum. Du coachst.

Reifegrad 3 — Lena nach drei Monaten:
Lena kann das. Sie hat alles im Griff, kennt die Prozesse, wird von Kollegen geschätzt. Aber dann gibt es eine Umstrukturierung, ein neues Tool muss eingeführt werden — und plötzlich zieht sie sich zurück. Die Kompetenz ist da. Die Motivation gerade nicht.

Was braucht sie jetzt? Beteiligung. Nicht mehr Anweisung. Nicht mehr Erklärung. Sondern ein echtes Gespräch: Was beschäftigt dich? Was brauchst du? Du entscheidest gemeinsam mit ihr — nicht für sie.

Reifegrad 4 — Lena nach einem Jahr:
Sie hat den nächsten Workshop bereits selbst geplant, bevor du sie gefragt hast. Sie löst Probleme eigenständig, bringt Ideen ein, trägt Verantwortung innerlich — nicht nur formal.

Was braucht sie jetzt? Freiraum. Micromanagement wäre hier nicht nur unnötig — es wäre falsch. Es würde Vertrauen beschädigen und Motivation kosten.

Der häufigste Fehler: Stil einfrieren

Was ich in Seminaren immer wieder beobachte: Führungskräfte wählen einen Stil — und bleiben dabei.

Manchmal aus Überzeugung. Manchmal aus Gewohnheit. Manchmal weil der Stil zur eigenen Persönlichkeit passt und sich deshalb richtig anfühlt.

Da ist der Manager, der grundsätzlich delegiert — auch dann, wenn jemand neu ist und Orientierung braucht. Er nennt das Vertrauen. Die Mitarbeiterin nennt es Alleingelassenwerden.

Und da ist die Teamleiterin, die grundsätzlich eng begleitet — auch dann, wenn die Person längst eigenständig arbeiten kann. Sie nennt es Fürsorge. Die Mitarbeiterin nennt es Kontrolle.

Beide meinen es gut. Aber beide führen am tatsächlichen Bedarf vorbei.

Situative Führung heißt: nicht der eigene Stil ist der Maßstab — sondern der Entwicklungsstand der Person in dieser Aufgabe, in diesem Moment.

Was das konkret für deinen Führungsalltag bedeutet

Situative Führung ist kein Modell das du einmal lernst und dann abhakst. Es ist eine Haltung, die täglich Aufmerksamkeit braucht.

Ein paar Fragen die mir helfen, die Situation richtig einzuschätzen:

  • Wie vertraut ist diese Person mit genau dieser Aufgabe — nicht generell, sondern konkret?
  • Hat sie gerade eher ein Können-Problem oder ein Wollen-Problem?
  • Wann habe ich zuletzt wirklich hingeschaut, statt einfach weitergemacht?
  • Führe ich so, wie es mir leichtfällt — oder so, wie es dieser Person gerade nützt?

Diese Fragen sind unbequem. Aber sie sind der Unterschied zwischen Führung als Routine und Führung als Wirksamkeit.

Fazit: Situative Führung enthält alle anderen Stile

Autoritär, kooperativ, delegativ, coachend — das sind keine Alternativen. Es sind Werkzeuge.

Situative Führung nach Hersey und Blanchard gibt dir den Rahmen, um zu entscheiden welches Werkzeug wann passt. Nicht nach Gefühl. Nicht nach Gewohnheit. Sondern nach dem tatsächlichen Bedarf der Person vor dir.

Das ist anspruchsvoll. Aber es ist der Kern wirksamer Führung.

Wer das beherrscht, braucht keine Stil-Diskussion mehr. Der führt.


FAQ: Situative Führung nach Hersey und Blanchard

Was ist situative Führung nach Hersey und Blanchard?
Ein Führungsmodell das davon ausgeht, dass es keinen universell richtigen Führungsstil gibt. Der passende Stil hängt vom Reifegrad der Person in einer konkreten Aufgabe ab — also von ihrer Kompetenz und ihrer Motivation in diesem Moment.

Welche vier Führungsstile gibt es bei situativer Führung?
Direktiv (anweisen), Coachend (erklären und unterstützen), Partizipativ (beteiligen) und Delegativ (loslassen). Jeder Stil passt zu einem anderen Reifegrad.

Was ist der häufigste Fehler bei situativer Führung?
Den eigenen bevorzugten Stil unabhängig von der Situation beizubehalten — entweder zu viel Kontrolle bei erfahrenen Mitarbeitenden oder zu wenig Struktur bei neuen.

Kann man situative Führung lernen?
Ja. Es braucht vor allem Beobachtungsfähigkeit, Selbstreflexion und die Bereitschaft, den eigenen Komfortstil zu hinterfragen.

Wie hängt situative Führung mit anderen Führungsstilen zusammen?
Situative Führung enthält alle anderen Stile — als Werkzeuge. Je nach Situation und Person setzt du den einen oder anderen bewusst ein.

Sie möchten Kommunikation und Führung in Ihrem Team konkret verbessern?
    Porträtfoto von Gabi Miller, lächelnd im Business-Outfit - Führungskräftetrainerin und Seminarleiterin in München
    Autorin:
    Gabi Miller
    Expertin für Führung, Kommunikation, Teamentwicklung und Potenzialentwicklung.
    Gabi Miller, Führungskräftetrainerin und Seminarleiterin in München
    Erstgespräch vereinbaren