
Der Raum ist voll, aber die Energie ist leer. Neue Deadline, zwei Krankmeldungen, ein kritischer Kunde. Ich spüre, wie mein Puls hochgeht. Früher hätte ich die Zügel angezogen: Aufgaben verteilen, Tempo machen, Diskussionen abkürzen. Mehr Druck, mehr Kontrolle. Und am Ende? Erschöpfte Menschen, mittelgute Ergebnisse, vor allem aber verlorenes Vertrauen.
An diesem Morgen probiere ich etwas, das sich früher „zu weich“ angefühlt hätte. Ich atme durch und sage: „Bevor wir starten: Wie geht’s euch, in einem Wort?“
Erst Stille. Dann: „Überfordert.“ „Frustriert.“ „Unsicher.“ Ich fasse zusammen, benenne die Stimmung, wir priorisieren neu. Nach 20 Minuten liegt ein klarer Plan auf dem Tisch. Die Schultern sinken, die Blicke werden ruhig. Das Projekt kippt, aber ins Machbare.
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„Gute Führung beginnt nicht bei Prozessen. Sie beginnt bei Menschen.“
Ich bin seit 22 Jahren Unternehmerin. 2017 wurde ich von British Petrol zur Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Ein großer Moment, und das Ergebnis einer inneren Veränderung.
Lange Zeit habe ich Führung vor allem über Zahlen, Prozesse und Kontrolle verstanden. Das hat vieles einfacher gemacht, aber nicht unbedingt besser.
Der Preis dafür: ungelöste Konflikte, stille Kündigungen, Gute Ideen, die nie ausgesprochen wurden.
Irgendwann wurde mir klar: Menschen folgen nicht PowerPoint. Sie folgen Menschen.
Also begann ich, bewusster hinzuschauen. Erst bei mir selbst, dann bei anderen. Ich lernte, genauer zuzuhören, Fragen zu stellen statt sofort Antworten zu geben und auch schwierige Themen anzusprechen.
Das hat nicht nur meine Art zu führen verändert. Es hat auch die Zusammenarbeit verbessert und viele Entscheidungen leichter gemacht.
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1. Führung bedeutet zuerst, Menschen zu führen, nicht Prozesse.
2. Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Beziehung.
3. Ergebnisse folgen oft dort, wo Menschen sich gesehen und ernst genommen fühlen.
Emotionale Intelligenz (EI/EQ) ist die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle präzise wahrzunehmen, zu verstehen und bewusst zu steuern. So, dass Zusammenarbeit, Entscheidungen und Ergebnisse besser werden.
Forschung und Praxis zeigen: Führungskräfte mit hoher EI treffen besonnener Entscheidungen, kommunizieren klarer und bauen belastbare Beziehungen auf. Daniel Goleman kam bereits 1999 zu dem Schluss, dass 67 % der Leistungsunterschiede zwischen Top- und Low-Performern auf emotionale Faktoren zurückgehen, nicht auf IQ oder Fachwissen. (Quelle: Harvard Business Review).

Führung wird einfacher, wenn Menschen sagen, was wirklich los ist.
Wenn Mitarbeitende Probleme früh ansprechen. Wenn unterschiedliche Meinungen ausgesprochen werden dürfen. Wenn Fehler nicht versteckt werden müssen.
Genau dabei hilft emotionale Intelligenz.
Wer sich selbst gut wahrnimmt und andere besser versteht, schafft eine Atmosphäre, in der Menschen sich trauen, offen zu sein. Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Regeln oder Workshops. Sie entsteht im Alltag – in Gesprächen, Reaktionen und im Umgang miteinander.
Das verändert viel:
Ein Mitarbeiter hält einen Termin nicht ein.
Früher habe ich auf die Verspätung geschaut.
Heute interessiert mich zuerst:
„Seit wann war eigentlich klar, dass es eng wird?“
Denn in Teams mit Vertrauen werden Schwierigkeiten früh angesprochen.
In Teams ohne Vertrauen werden sie oft zu lange versteckt.
Das ist für mich die stärkste Verbindung zwischen emotionaler Intelligenz und Führung.
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„Gute Führung erkennt Schwierigkeiten nicht früher. Sie schafft ein Umfeld, in dem Menschen sie früher ansprechen.“
Ja, es gibt Veranlagungen. Entscheidend ist Übung. Studien zeigen: EI lässt sich gezielt trainieren, etwa die Wahrnehmung von Emotionen und die Selbstregulation.
Mein Ansatz: kleine, konsequente Routinen. Kein Perfektionsdruck. Viel Wiederholung.
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1) Selbstwahrnehmung: Bei mir selbst anfangen
Die wichtigste Erkenntnis für mich war: Mein Team erlebt mich nicht so, wie ich mich fühle – sondern so, wie ich auftrete.
Früher dachte ich, ich sei einfach konzentriert oder unter Druck. Tatsächlich wirkte ich manchmal kurz angebunden, ungeduldig oder nicht ansprechbar.
Heute frage ich mich vor wichtigen Gesprächen:
„Wie komme ich gerade bei anderen an?“
Nicht perfekt. Nicht stundenlang. Einfach kurz hinschauen.
Manchmal reicht schon die Erkenntnis:
Allein das verändert oft schon mein Verhalten.
Das dauert keine fünf Minuten. Aber genau dort beginnt für mich emotionale Intelligenz in der Führung.
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2) Selbstregulation: Nicht jede Emotion braucht sofort eine Reaktion
Emotionale Intelligenz bedeutet nicht, keine Emotionen zu haben.
Im Gegenteil: Führungskräfte erleben täglich Druck, Ärger, Unsicherheit oder Frustration.
Der Unterschied liegt darin, was wir daraus machen.
Früher habe ich manchmal sofort reagiert. Heute versuche ich zuerst zu verstehen, was gerade in mir passiert.
Denn zwischen einem Gefühl und einer Reaktion liegt ein kleiner Moment und genau dort entsteht Führung.Was mir dabei hilft
Die Fähigkeit zur Selbstregulation entscheidet oft darüber, ob ein schwieriges Gespräch eskaliert oder konstruktiv verläuft.
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Mehr zum Thema Emotionen regulieren in der Führung
Wie erkenne ich meine Trigger? Warum reagieren wir unter Stress oft automatisch? Und wie gelingt es, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben?
→ Zum Artikel „Emotionen regulieren als Führungskraft“
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3) Empathie: Verstehen, bevor ich bewerte
Empathie heißt nicht, mit allem einverstanden zu sein.
Empathie heißt, Menschen verstehen zu wollen, bevor ich Entscheidungen treffe.
Denn Mitarbeitende müssen nicht das Gefühl haben, dass ich immer ihrer Meinung bin.
Sie müssen das Gefühl haben, dass sie gehört werden.
Genau dort entstehen Vertrauen, Offenheit und psychologische Sicherheit.
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– Was beschäftigt dich gerade am meisten?
– Was macht die Situation für dich schwierig?
– Was würde dir helfen, einen Schritt weiterzukommen?
– Was würdest du dir von mir wünschen?
– Was wird gerade nicht ausgesprochen?
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4) Soziale Kompetenz & Kommunikation: Gespräche führen, die etwas verändern
Früher dachte ich, gute Kommunikation bedeutet, die richtigen Argumente zu haben.
Heute weiß ich: Gute Kommunikation beginnt damit, dass Menschen sich gehört fühlen.
Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, bewertet oder belehrt zu werden, gehen sie innerlich auf Abstand. Wenn sie sich ernst genommen fühlen, entsteht Dialog.
Ein Beispiel:
In einem Meeting fällt jemand Kollegen immer wieder ins Wort.
Früher hätte ich vielleicht gesagt:
„Bitte lassen Sie andere ausreden.“
Heute frage ich eher:
„Mir ist aufgefallen, dass heute einige Beiträge unterbrochen wurden. Wie haben Sie die Diskussion erlebt?“
Das Gespräch wird dadurch nicht weicher, aber offener.
Und genau darum geht es in Führung: Themen anzusprechen, ohne Menschen kleinzumachen.
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„Menschen erinnern sich weniger an das, was wir gesagt haben, als daran, wie sie sich im Gespräch mit uns gefühlt haben.“
A) Deadline-Druck
Unter Zeitdruck werde ich nicht automatisch schneller, sondern oft ungeduldiger. Früher habe ich dann Sätze gesagt wie: „Wir müssen Gas geben.“ Das hat den Druck erhöht, aber selten geholfen.
Heute versuche ich erst zu verstehen, woran es hängt. Oft reicht schon die Frage: „Woran kommen wir gerade nicht weiter?“ Dann wird aus Aktionismus wieder Handlungsfähigkeit.
B) Fehlerkultur
Wenn etwas schiefläuft, ist der Griff nach einem Schuldigen oft schnell gemacht. Ich versuche heute, einen anderen Weg zu gehen.
Statt „Wer war das?“ frage ich: „Was ist passiert?“ und „Was können wir daraus lernen?“
Das führt nicht immer zu angenehmen Gesprächen, aber meist zu besseren Lösungen.
C) Change begleiten
Veränderungen lösen nicht bei allen Begeisterung aus. Das habe ich lange unterschätzt. Heute spreche ich offen darüber, was sich verändert, aber auch darüber, was bleibt. Das nimmt nicht alle Sorgen, schafft aber Orientierung.
Deshalb versuche ich heute, Dinge klar anzusprechen:
Was ändert sich?
Was bleibt?
Und was bedeutet das für den Einzelnen?
Zuhören, bevor ich antworte.
Oft erfahre ich erst dann, worum es wirklich geht.
Klar sagen, was ich wahrnehme.
Nicht interpretieren, sondern beschreiben.
Emotionen ansprechen statt ignorieren.
Was nicht ausgesprochen wird, verschwindet selten.
Mehr fragen als erklären.
Gute Fragen führen oft weiter als schnelle Antworten.
Konflikte lösen sich selten von selbst. Wenn ich merke, dass ein Gespräch festgefahren ist, versuche ich zuerst zu verstehen, worum es den Beteiligten wirklich geht. Häufig geht es nicht um die Position, die jemand vertritt, sondern um das Bedürfnis dahinter. Deshalb höre ich beiden Seiten zu, frage nach und fasse zusammen, was ich verstanden habe. Erst danach sprechen wir über mögliche Lösungen und die nächsten Schritte.
„Häufig geht es nicht um die Position, die jemand vertritt, sondern um das Bedürfnis dahinter.“
Wenn du emotionale Intelligenz nicht nur verstehen, sondern im Alltag trainieren möchtest, habe ich einen kompakten 4-Wochen-Plan zusammengestellt.
4-Wochen-Plan: Emotionale Intelligenz in der Führung trainieren
✓ Übungen für vier Wochen
✓ Reflexionsfragen
✓ Praxistipps für den Führungsalltag
Fortschritt bei emotionaler Intelligenz lässt sich nicht nur an Zahlen messen. Oft zeigt er sich zuerst im Alltag.
Gespräche werden früher geführt. Konflikte werden nicht mehr so lange ausgesessen. Entscheidungen werden klarer. Mitarbeitende sprechen eher an, wenn etwas nicht funktioniert. Und du selbst merkst vielleicht, dass du in schwierigen Situationen nicht mehr so schnell reagierst wie früher.
Empathisch sein heißt nicht, Entscheidungen zu vermeiden. Ich kann Verständnis zeigen und trotzdem klar sagen, was entschieden werden muss.
Nicht alles gleichzeitig verändern. Eine kleine Gewohnheit, die ich wirklich durchhalte, bringt mehr als zehn gute Vorsätze.
Nicht nur darüber lesen. Emotionale Intelligenz zeigt sich erst in den Situationen, in denen es schwierig wird – also genau dann, wenn der Puls steigt oder ein Gespräch unangenehm wird.
Nachhalten. Eine Vereinbarung ist erst dann etwas wert, wenn wir später wieder darauf schauen.
„Eine kleine Gewohnheit, die ich wirklich durchhalte, bringt mehr als zehn gute Vorsätze.“
Emotionale Intelligenz hat meine Art zu führen verändert. Ich bin nicht immer geduldiger geworden und habe auch heute noch Situationen, in denen mein erster Impuls nicht der beste ist. Aber ich nehme diese Momente früher wahr und kann anders damit umgehen.
Für mich bedeutet emotionale Intelligenz deshalb nicht, immer ruhig, verständnisvoll oder souverän zu sein. Es bedeutet, wahrzunehmen, was gerade passiert – bei mir und bei anderen – und bewusst zu entscheiden, wie ich damit umgehen möchte.
Genau darin liegt für mich der Unterschied: Nicht jede Situation lässt sich verändern. Aber ich kann beeinflussen, wie ich in ihr auftrete.
FAQ
Möchten Sie Ihre Führungsrolle bewusster gestalten und sowohl Klarheit als auch Beziehungskompetenz stärken? In meinen Coachings, Seminaren und Inhouse-Programmen für Teams begleite ich Führungskräfte dabei, Führung wirksam und praxisnah umzusetzen.


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